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Ratgeber für Betriebe

Terminausfälle und No-Shows im Friseursalon

Wenn ein Kunde kurzfristig absagt oder gar nicht kommt, bleibt die Stunde leer, und Miete und Lohn laufen weiter. Ganz verhindern lässt sich das nicht, seltener machen schon. Die Vorschläge stammen aus Fachmedien, von Kammern und aus Salons; rechtliche Aussagen stehen jeweils mit Quelle da.

Stand: 13. September 2026

Was ein Ausfall kostet

Eine verlässliche Zahl dazu, wie oft Kunden im Friseurhandwerk kurzfristig absagen oder nicht erscheinen, haben wir nicht gefunden. Die Prozentwerte, die im Netz kursieren, stammen von Software-Anbietern und nennen keine nachvollziehbare Methode. Rechne deshalb mit deinen eigenen Zahlen.

Vorbeugen

Erinnern

Fachmedien und Salons nennen unterschiedliche Zeitpunkte: einen Tag vorher per SMS oder E-Mail, am Morgen des Termins oder gestaffelt drei Tage, 24 Stunden und zwei Stunden vorher, jeweils mit einem Link zum Absagen. Einen empfohlenen Zeitpunkt von Kammern oder Verbänden haben wir nicht gefunden.

Für Erinnerungen per SMS, E-Mail oder Messenger brauchst du nach Ansicht der IT-Recht Kanzlei eine ausdrückliche Einwilligung, mit Datenschutzhinweis und Hinweis auf das Widerrufsrecht. Eine reine Erinnerung mit Datum, Uhrzeit und Kontakt ist nach Einschätzung der Rechtsanwältin Angélique Rinke keine Werbung. Schreibst du aber ein Angebot oder die Bitte um eine Bewertung dazu, wird daraus Werbung, und die braucht eine Einwilligung. So hat der Bundesgerichtshof 2018 eine Bewertungsbitte in einer Rechnungsmail eingeordnet.

Bei WhatsApp ist Vorsicht angebracht. Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht akzeptiert Kundenkontakt per WhatsApp nur, wenn es jederzeit einen gleichwertigen anderen Weg gibt. Das Hochladen des Adressbuchs ohne Einwilligung der Kontakte halten Datenschutzberater für unzulässig.

Anzahlung

Die Handwerkskammer Cottbus beobachtet, dass Friseure und Kosmetiker häufiger Vorkasse verlangen; in der Lausitz sind es nach ihrer telefonischen Nachfrage bis zu 50 Prozent des Preises. Beispiele aus Fachmedien: 25 Prozent bei jedem online vereinbarten Termin, die bei einer Absage unter 24 Stunden einbehalten werden, Stammkunden ausgenommen; Vorkasse für große Arbeiten; 30 Prozent bei langen, online vereinbarten Terminen.

Eine Anzahlung darf nach Ansicht der Rechtsanwältin Kathrin Bliefert nicht einfach verfallen. Sie lässt sich nur mit einer belegten Entschädigung verrechnen.

Wiederholte Ausfälle

Einige Salons sperren Kunden nach drei Absagen in Folge für sechs Monate. Andere geben ihnen nur noch kurzfristige Termine oder verlangen die volle Summe vorab. Mehrere Salons nennen außerdem das offene Gespräch mit dem Kunden als wichtigsten Hebel.

Ausfallgebühr: was du vorher wissen solltest

Ein Gerichtsurteil speziell zu Friseurterminen ist weder der Rechtsanwältin Kathrin Bliefert noch der D.A.S.-Rechtsschutzversicherung bekannt. Was für Salons gesagt wird, ist aus Fällen von Arztpraxen, Therapeuten und Gastronomie übertragen.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hält Ausfallgebühren grundsätzlich für zulässig, wenn sie bei der Terminvereinbarung wirksam vereinbart und ausdrücklich angekündigt wurden. Eine einheitliche Rechtsprechung gebe es aber nicht, und ob es auf ein Verschulden des Kunden ankommt, sei umstritten.

Worauf die Quellen hinweisen:

  • Die Regel muss vor dem Termin vereinbart und angekündigt sein. Der Rechtsanwalt Sebastian Hahn rät, das nachweisbar zu tun, etwa in der Terminbestätigung, und die Gebühr ausdrücklich als Schadensersatzpauschale zu bezeichnen.
  • Abgezogen wird, was du durch den Ausfall sparst oder anderweitig verdienst, zum Beispiel mit einem Kunden, der in die Lücke nachrückt (§ 615 Satz 2 und § 642 Abs. 2 BGB).
  • Steht die Pauschale in AGB, darf sie den üblicherweise zu erwartenden Schaden nicht übersteigen, und der Kunde muss einen geringeren Schaden nachweisen dürfen (§ 309 Nr. 5 BGB). Eine Vertragsstrafe ist in AGB unwirksam (§ 309 Nr. 6 BGB).
  • Der Rechtsanwalt Peter Lotz bezweifelt bei einer bloßen Terminvergabe ohne konkret vereinbarte Leistung schon, dass ein Vertrag besteht. Auch mit Vertrag gebe es nur eine angemessene Entschädigung, nicht den vollen Preis.

Zu Arztpraxen gibt es Urteile in beide Richtungen. Das Amtsgericht Nettetal sprach 2006 einem Zahnarzt eine Entschädigung zu, weil eine schriftliche 48-Stunden-Regel bestand; die ersparte Zeit wurde abgezogen. Das Amtsgericht Bremen verneinte 2012 einen Anspruch, weil der Termin nur ein organisatorisches Hilfsmittel sei. Der Bundesgerichtshof entschied 2022, dass die Regel zum Annahmeverzug (§ 615 BGB) auch für Behandlungsverträge gelten kann. Ob die 24-Stunden-Klausel der Praxis wirksam war, ließ er offen.

Noch ungeklärt ist ein neuer Punkt: Online vereinbarte Friseurtermine gelten nach Einschätzung der Handwerkskammer Südthüringen nicht als Freizeitbetätigung. Damit haben Kunden grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht, und seit dem 19. Juni 2026 ist dafür ein Widerrufsbutton Pflicht (§ 356a BGB). Wie das mit Anzahlungen und Ausfallgebühren zusammenpasst, klärt bisher keine der Quellen.

Wenn trotzdem eine Lücke entsteht

Fällt ein Termin kurzfristig aus, hilft nur, ihn schnell neu zu besetzen. Salons führen dafür Wartelisten mit Kunden, die gern früher kommen würden, oder posten den freien Termin in ihrer Story. Beides erreicht allerdings nur Leute, die deinen Salon schon kennen. Rückt jemand nach, fällt eine mögliche Ausfallgebühr übrigens kleiner aus oder ganz weg, weil der anderweitige Verdienst angerechnet wird.

Genau dafür bauen wir Catch the Opening: Du veröffentlichst den frei gewordenen Termin in Sekunden, Kunden in der Nähe bekommen eine Push-Nachricht und fragen unverbindlich an, und du bestätigst. Bezahlt wird wie immer bei dir vor Ort. Für Betriebe sind drei veröffentlichte Termine im Monat in zwei Kategorien dauerhaft kostenlos, eine Provision gibt es nicht.

Damit neue Kunden deinen Salon überhaupt finden, lies auch Salon kostenlos sichtbar machen.

Quellen

Stand der Angaben: 13. September 2026. Salonbeispiele sind Selbstauskünfte aus Fachmedien.

Fachmedien, Kammern und Verbände

Recht

Erinnerungen und Datenschutz

Häufige Fragen

Darf ich als Friseur eine Ausfallgebühr verlangen?

Grundsätzlich ja, wenn sie vor dem Termin wirksam vereinbart und ausdrücklich angekündigt wurde, sagt die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Ein Urteil speziell zu Friseurterminen ist nicht bekannt, und abgezogen wird, was du durch den Ausfall sparst oder anderweitig verdienst. Lass deine Regel am besten prüfen.

Wie hoch darf eine Ausfallpauschale sein?

Eine feste Prozentgrenze nennt keine der Quellen. Steht die Pauschale in deinen AGB, darf sie den üblicherweise zu erwartenden Schaden nicht übersteigen, und der Kunde muss nachweisen dürfen, dass der Schaden geringer war (§ 309 Nr. 5 BGB).

Darf ich Kunden per WhatsApp an ihren Termin erinnern?

Nur mit Vorsicht. Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht akzeptiert Kundenkontakt per WhatsApp nur, wenn es jederzeit einen gleichwertigen anderen Weg gibt. Für Erinnerungen per SMS oder E-Mail empfiehlt die IT-Recht Kanzlei eine ausdrückliche Einwilligung.

Wie oft sagen Kunden beim Friseur kurzfristig ab?

Eine verlässliche Zahl gibt es dazu nicht. Die Prozentwerte im Netz stammen von Software-Anbietern und nennen keine nachvollziehbare Methode. Zähl am besten einen Monat lang in deinem eigenen Kalender mit.

Was mache ich mit einem frei gewordenen Termin?

Ihn möglichst schnell neu besetzen, über eine Warteliste, einen Post in deiner Story oder mit Catch the Opening. Rückt jemand nach, kann eine mögliche Ausfallgebühr kleiner ausfallen, weil anderweitiger Verdienst angerechnet wird.

Frei gewordene Termine schneller neu besetzen

Catch the Opening startet in Ulm. Trag deinen Betrieb auf die Warteliste ein, dann sagen wir dir Bescheid, sobald du freie Termine veröffentlichen kannst.

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